Die häufigsten Fragen zum Passivhaus

Das Passivhaus – das Haus der Zukunft?

Die Diskussion über Treibhauseffekt und Klimawandel, aber auch explodierende Energiepreise – vornehmlich im Bereich der fossilen Energieträger – erfordern immer häufiger konsequente alternative Lösungsansätze.

Unter einem Passivhaus versteht man ein Gebäude mit einer Lüftungsanlage, welches aufgrund seiner kompakten Bauweise, Dichtheit und guten Wärmedämmung keine klassische Heizung benötigt. Es ist also unabhängig von fossilen Brennstoffen und unkalkulierbaren Energiekosten.

Bezeichnung als „PASSIV“Warum?

Diese Häuser werden als „passiv“ bezeichnet, weil der überwiegende Teil des benötigten Wärmebedarfs aus „passiven“ Quellen gedeckt ist. Das Haus „produziert“ den überwiegenden Teil des Wärmebedarfs selbst. Die Abwärme der Menschen sowie seiner Aktivitäten (kochen, baden, Glühbirnen…) werden zur Wärmeerzeugung genutzt. Der größte „passive“ Energiegewinn erfolgt über die „passive Solarenergienutzung“ – nämlich den Wärmeeintrag der Sonnenstrahlen über das Fenster.

Bildlich dargestellt:

  • Reichen 10 Teelichter (10 x 30 Watt) aus um ein Wohnzimmer mit 30 m² zu beheizen.
  • Oder ein Haarfön mit 1600 Watt könnte ein EFH mit 160 m² (10 Watt/m²) problemlos vollständig mit der Restwärme versorgen
  • 1 einziger Scheinwerfer vom ORF im Österreichhaus reicht aus, um das ganze Haus mit 250m² zu beheizen
  • Einmal im Backrohr einen Kuchen oder Schweinsbraten backen reicht schon
  • Oder 12 Gäste im EFH stellen mit je 80 Watt pro Person schon die Heizung dar

Nun wird verständlich, warum wir im Passivhaus von einem „nicht konventionellem Heizsystem“ sprechen.

Nur Neubau oder auch Sanierung?

Der Passivhausstandard ist nicht auf bestimmte Gebäudetypen oder auf das Alter von Gebäuden beschränkt. Es ist auch bei Umbauten oder Sanierungen möglich, die Standards zu erreichen. Umrüstungskosten sind beim Umbau allerdings höher als beim Neubau.

Grundvoraussetzungen:

  • Luftdichtheit: die luftdichte Ebene muss das gesamte Haus lückenlos umschließen
  • Passive Solarnutzung: Räume und Fenster sind nach der jeweiligen Ausrichtung zu planen, um eine optimale Nutzung zu sichern
  • Dämmung: ausreichende Dämmstärke vermindert Abstrahlung auf ein Minimum.
  • Fenster und Fensterrahmen müssen höchsten Dämmeigenschaften genügen (3-fach Verglasung, Rahmen gedämmt)
  • Kontrollierte Wohnraumlüftung mit hocheffizienter Wärmerückgewinnung (Wärmetauscher)

Das Passivhaus / Praxis

Mehrkosten

Minderkosten

Erhöhter Dämmaufwand 

– Dach-, Wand- und Bodenplattendämmung

Keine Kaminzüge notwendig (bei Wärmepumpe)
Lüftungstechnik mit Wärmerückgewinnung keine konventionellen Heizkörper, Wand- oder Fußbodenheizung und dazu zugehörige Technik
Sehr hoch dämmende Fenster mit Dreifach-Wärmeschutzverglasung Kein eigener Heiz- oder Brennstofflagerraum notwendig
Aufwändigere Detaillösungen für die Abdichtung (luftdichte Hülle notwendig) Erheblich geringere Heizungskosten, und Kosten für Hilfsstrom (Umwälzpumpen, Antrieb bei Pelltes- oder Hackschnitzelöfen, etc.)
In manchen Fällen Aufwand bei Sonderlösungen (Beispiel Katzenklappe) keine jährlichen Kosten für Rauchfang-kehrer, Gasthermenwartung, etc.
Luftdichtheitstest (Blower-Door Messungen)

Ein PH ist viel teurer als ein konventionelles Haus, manche sagen, es rechnet sich nicht?

Gegenüber dem heutigen Durchschnittsstandard bewegen sich die Mehrkosten zwischen zwei und fünf Prozent. Gegenüber dem Mindeststandard Bauordnung acht Prozent Mehrinvestition. Jedoch bekommt man für Passivhäuser die höchste Förderung, womit sich das Passivhaus sogar vom ersten Tag an rechnet. Später kommt es aber richtig dick: Jahr für Jahr sparen die Bewohner 800 bis 1.500 Euro an Betriebskosten.

Bautechnik

Heutzutage sind der Architektur kaum Grenzen gesetzt, Passivhäuser können fast beliebige Formen haben. Egal ob Massiv-, Holz-, Glas- oder Mischkonstruktion – ein Passivhaus ist in jeder Bauweise ausführbar. Entscheidend für die Ausführung der thermischen Gebäudehülle ist, neben den thermischen Eigenschaften der verwendeten Materialien, die wärmebrückenfreie und luftdichte Ausführung. Ist dies der Fall, ergibt sich ein geschlossenes System mit hervorragenden inneren Werten, ganz unabhängig von der eingesetzten Bauweise.


Wieso braucht ein Passivhaus eine kontrollierte Wohnraumlüftung?

Sie trägt nicht nur dazu bei, dass über den hocheffizienten Wärmetauscher die Wärme der Abluft an die Frischluft übertragen wird, sondern das Gebäude auch höchsten Wohnkomfort bietet.

Das Passivhaus ist so konzipiert, dass keine störenden Zugluftströme entstehen, sondern es im Winter schön warm und im Sommer angenehm kühl ist. Die Wohnraumlüftung sorgt dafür, dass den Räumen im Passivhaus ständig frische Luft zugeführt wird, die zuvor mittels Wärmerückgewinnung erwärmt bzw. abgekühlt wurde.

Der angenehme Nebeneffekt der Wohnraumlüftung ist die gereinigte Luft, die für ein behagliches und gesundes Raumklima sorgt, die auch für Allergiker sehr geeignet ist. Man muss nicht mehr ständig lüften und man hat auch nicht das Bedürfnis danach, da die Luft ohnehin ständig frisch ist.

 

Luft ist unser wichtigstes Lebensmittel. Wir benötigen pro Stunde mindestens 5 m³ für eine gesunde, ausreichende Versorgung. Da nach heutigem Baustandard jedoch Häuser so dicht gebaut werden müssen, dass kein unkontrollierter Luftaustausch mehr stattfinden kann, gibt es nur zwei Möglichkeiten, um unseren Frischluftbedarf zu decken: Mehrmals täglich minutenlang sperrangelweit die Fenster auf oder eine automatische Komfortlüftung.

 

Ihre Vorteile liegen auf der Hand: gesundes. schimmelfreies Wohnen, frei von unangenehmen Gerüchen und winterlichen Kälteschocks durch viel zu selten geöffnete Fenster.

Automatische Komfortlüftungen sorgen für gefilterte Frischluft und saugen belastete Raumluft ab. Energiesparend, lautlos, hygienisch.

Sie können sich die Luftzirkulation so vorstellen wie bei einem Heizkörper: Hier steigt die erwärmte Luft auf, erkaltet und fällt ab und wird anschließend wieder erwärmt. Der dadurch entstehende Kreislauf ist nicht wahrnehmbar, die Luft wird aber zunehmend wärmer. Genau so funktioniert die Lüftung im Passivhaus – sie ist nicht wahrnehmbar, die Luft ist dennoch immer frisch.

 

Lüftung und Wärmerückgewinnung

Passivhäuser benötigen eine kontrollierte Wohnraumlüftung, um Wärmeverluste durch Lüftungen zu begrenzen, bestenfalls zu vermeiden. Diese sorgt automatisch für den notwendigen Luftaustausch.

 

  • gesamte Luft des Hauses ist ca. alle ein bis vier Stunden komplett ausgetauscht
  • durch diese geringen Luftvolumenströme weder Luftbewegungen, Zugluft oder Geräusche wahrnehmbar.

Der Weg der Luft

  • Frische Luft wird außen angesaugt
  • Wird über Rohrleitungen durch den Boden geführt (wie bei Erdwärme)
  • kalte Luft (Winter) wird vorerwärmt
  • warme Luft (Sommer) wird gekühlt

= konstante Temperatur im Sommer und im Winter

 

Luft kommt zum Wärmetauscher, wo sie auf die Abwärme aus den Räumen trifft

  • Abwärme = Wärme, die durch die Bewohner sowie seiner Aktivitäten (kochen, baden, Glühbirnen, Elektrogeräte…) freigesetzt wird

Wärme wird auf die zugeführte Frischluft übertragen à weiter erwärmt

 

Wussten Sie, dass…

Wussten Sie, dass das Passivhaus-Konzept bereits Ende der 80er Jahre entwickelt wurde? Seit mehr fast 20 Jahren leben Familien in Passivhäusern komfortabel und mit niedrigstem Heizbedarf.

Wussten Sie, dass für eine 120 m² große Passivhauswohnung die Heizkosten eines ganzen Jahres niedriger sind, als dreimal Volltanken eines durchschnittlichen PKW?

Wussten Sie, dass die Gebäudehülle eines Passivhauses im Prinzip wie eine moderne Mulitfunktionsjacke funktioniert? Dicht, wohlig warm und atmungsaktiv. Herkömmliche Häuser entsprechen eher Jacken, bei denen die Kälte an den Knöpfen vorbei ins Innere kriecht.

Wussten Sie, dass ein einzelnes Teelicht über eine Energieleistung von 30 Watt verfügt? Im Passivhaus heizen wir jeden einzelnen m² bereits mit 10 Watt. Das heißt, schon 10 Teelichter reichen, für ein behaglich warmes Wohnzimmer von 30 m², in einer kalten Winternacht.

Wussten Sie, dass ein Passivhaus praktisch ein heuschnupfenfreies Haus ist? Die Komfortlüftung mit ihren Filtern sorgt dafür, dass Pollen draußen bleiben müssen.

Wussten Sie, dass ein Passivhaus von außen nicht erkennbar ist? Die Architektur des Passivhaustyps ist frei in der Wahl der Größe, der Dachform, der Fensteraufteilung oder des Materialeinsatzes. Zu sehen an hunderten von unterschiedlich gestalteten Objekten.