Das Passivhaus

Die Diskussion um Treibhauseffekt und Klimawandel, aber auch explodierende Energiepreise erfordern konsequente alternative Lösungsansätze. Im Bereich des Wohnens sehen wir das größte Einsparung- und Effizienzpotential. Das „ökologische Passivhaus“ stellt derzeit das konsequenteste Konzept nachhaltigen Bauens dar. Es benötigt in etwa nur ein Zehntel jener Energie von herkömmlichen Baustandards. Diese Häuser werden „passiv“ genannt, weil der überwiegende Teil des Wärmebedarfs aus „passiven“ Quellen gedeckt wird. Von der einstrahlenden Sonne bis hin zur Energie, die im Hausinnern anfällt.

 

Über 5,0 Mio. m² Passivhausfläche in Österreich sorgen mittlerweile dafür, dass schon heute jährlich rund 52 Millionen Liter Heizöl bzw. 100.000 Tonnen CO2-Emissionen gegenüber konventionellen Gebäuden eingespart werden. Um die Klimaschutzziele und damit verbunden der sorgsame Umgang mit der Umwelt schnellstmöglich zu erreichen, ist die breite Umsetzung des Passivhausstandards im Neubau wie auch in der Altbausanierung von entscheidender Bedeutung. Das Expertenteam der IG Passivhaus Kärnten und wir, als eines der ersten Mitgliedsunternehmen von mittlerweile über 40 Unternehmen aus der Baubranche, haben uns als oberstes Ziel gesetzt: Den Passivhausstandard schnellstmöglich zu etablieren, -aus Verantwortung für die Zukunft.

Das Passivhaus – das Haus der Zukunft

Unter einem Passivhaus wird in der Regel ein Gebäude mit einer Lüftungsanlage verstanden, welches aufgrund seiner guten Wärmedämmung keine klassische Heizung benötigt. Diese Häuser werden „passiv“ genannt, weil der überwiegende Teil des Wärmebedarfs aus „passiven“ Quellen gedeckt wird. Von der einstrahlenden Sonne bis hin zur Energie, die im Hausinnern anfällt wie die Abwärme der Bewohner, dem Backofen oder der Glühbirnen. Die Bauweise ist nicht auf bestimmte Gebäudetypen beschränkt, es ist auch in Umbauten und Sanierungen möglich, diese Standards zu erreichen. Ein Passivhaus benötigt zum Heizen ca. 1,5 Liter Öl pro Quadratmeter im Jahr. D. h. rund 80-90 Prozent weniger Raumheizkosten im Vergleich zum konventionellen Wohnhaus.

Neben dem Aspekt, unabhängig von fossilen Brennstoffen und unkalkulierbaren Energiekosten zu werden, ist die hohe Wohnqualität ein wesentliches Merkmal von Passivhäusern. Durch die geregelte Wohnraumlüftung gehört das Lüftungsproblem der Vergangenheit an.

Das Passivhauskonzept ist in Bezug auf die Einsatz- und Anwendungsmöglichkeiten genauso vielfältig wie die Gestaltungslösungen bei konventionellen Gebäuden. Es beschränkt sich nicht nur auf den Neubau, sondern lässt sich auch bei vielen Althaussanierungen umsetzen.

Facts:

  • Österreich ist absoluter Vorreiter in der Passivhaus-Technologie
  • 3.200.000 m² Nutzfläche in Passivhausstandard in Österreich. In Europa per Ende 2010 insgesamt 7,0 Mio m²
  • Sind in den letzten 13 Jahren in Österreich insgesamt 8.000 Wohnungen in Passivhausstandard errichtet worden, so werden derzeit weitere 10.000 neue Wohnungen in diesem Standard gebaut.
  • Investitionskosten pro m² ca. 3 – 5% höher als Niedrigenergiehausstandard
  • Energie- und Betriebskosten jedoch um 50 – 80% billiger als im Niedrigenergiehaus
  • 40 Kerzen können bereits ein Passivhaus mit 120 m² Wohnfläche heizen
  • Heizkostenvergleiche zu Standardeinfamilienhaus mit 120 m² Wohnfläche / Jahr

Standardbauweise ca. 2.000 Euro / bei Passivhaus, ca. 180 Euro

 

Der Passivhaus-Standard im Detail:

Folgende technische Aspekte unterliegen einer speziellen Planung und Ausführung unter gegenseitiger Abstimmung. Optimierungskriterien sind „Energieeffizienz“ und „Wirtschaftlichkeit“:

 

Wärmeverluste minimieren:

  • Gebäudekonzept: Planungskriterien sind: Solarenergie­gewinne, sommerlicher Hitzeschutz, Optimierung der Gebäudehülle und Wärmebrückenfreiheit (Anmerkung: Luftführung kommt unter Haustechnik vor). Lage, Ausrichtung, Form und Grundrisse der Gebäude werden darauf abgestimmt.
  • Gebäudehülle: Mit modernster Dämmtechnik, Fenster- bzw. Fassadentechnik und präzise geplanter Ausführung in allen Details wird eine luft- und winddichte, hochdämmende und

z. T. klimatisierende Gebäudehülle errichtet.

  • Haustechnik: bisher übliche konventionelle Heizanlagen entfallen, eine „kontrollierte Wohnraumlüftung“ mit Wärmerückgewinnung wird eingesetzt. Einfach gesagt: die kalte frische Zuluft von außen wird durch die warme Abluft von innen erwärmt. Der verbleibende, äußerst geringe Restheiz­bedarf (Warmwasser, Winterspitzen) wird je nach Konzept und Verfügbarkeit einfachstmöglich abgedeckt. Im Sommer lässt sich das Passivhaus in ähnlicher Weise kühl halten.

 

Freie Wärmegewinne optimieren:

  • Solare (passive) Wärmegewinne: Nutzung der Sonnenenergie durch optimale Orientierung des Gebäudes sowie energieeffiziente Anordnung der Fenster
  • Interne (passive) Wärmegewinne: Abwärme von Haushaltsgeräten, Licht, Personen, etc.
  • Sonstige (passive) Wärmegewinne: Erdwärme (Erdkollektoren können im Sommer zur Kühlung eingesetzt werden.), etc.
  • Wärmeerhaltung: Die Rückgewinnung der Abluftwärme (Wirkungsgrade von etwa 90 %) und die Vermeidung der Wärmeverluste (siehe Pkt.1) lassen die passiven Wärmegewinne zu entscheidender Größe wachsen.

 

Thermische Behaglichkeit:

Sämtliche Rauminnenflächen (Böden, Wände, Decken sowie Glasflächen) und Raumzonen (bodennah, deckennah) sind stets gut und gleichmäßig temperiert. Kalte Fußböden, thermisches Unbehagen oder Zugerscheinungen, selbst direkt am Fenster, treten nicht auf.

 

Lufthygiene:

Die Lüftungsanlage ermöglicht mehr Frischluft bei gleichzeitig marginalen Energieverlusten. Lüften durch Öffnen der Fenster ist möglich, jedoch nicht mehr nötig. Günstig positionierte Luftansaugung und Filter können den Eintrag von Staub, Pollen, Krankheitserregern und Insekten stark hemmen.

 

Schallschutz:

Die hochgedämmten Passivhausfassaden mit den dreifachverglasten Passivhausfenstern erfüllen automatisch höchste Schallschutzanforderungen. Ihr Schutz bekommt vor allem deshalb optimal Wirkung, weil die Fenster für Lüftungszwecke nicht mehr geöffnet werden müssen.

 

Positive Aspekte eines Passivhauses auf einen Blick:

  • hohe Wohnqualität + Wohngefühl weil:
  • man braucht sich keine Gedanken über Heizen oder Lüften machen, da das alles selbstständig abläuft; außer regelmäßige Kontrolle des Systems
  • man merkt nicht, dass im Prinzip ständig „gelüftet“ wird, keine Zugluft
  • Die Innentemperatur in Passivhäusern bleibt das ganze Jahr über nahezu konstant. Das gilt sowohl über das Jahr gesehen als auch über einen Tag sowie für einzelne Räume.
  • Die Innentemperatur ändert sich nur sehr langsam – weniger als 0,5°C am Tag (im Winter, wenn keine Sonne scheint)
  • Alle Wände und Böden haben dieselbe Temperatur, dies gilt ebenfalls für den Keller, wenn er innerhalb der thermischen Hülle liegt. Es gibt keine kalten Außenwände oder Fußböden, Schimmelbildung ist dadurch ausgeschlossen.
  • Keine Lärmbelästigung von z. B Straßenlärm, keine Staubbelastung, keine Pollenbelastung für Allergiker, weniger Insekten im Haus
  • Vermeidung von überhöhten Schadstoffbelastungen in geschlossenen Räumen, die in Häusern ohne Komfortlüftung laufend zu Zivilisationskrankheiten führen
  • Wesentlich bessere Konzentrationsfähigkeit, weniger Müdigkeit, einfach eine gesunde Luft
  • Immense Einsparung der Energiekosten, fossilen Brennstoffen und unkalkulierbaren Energiekosten.
  • Höchste Förderungen

Quelle: IG Passivhaus